Montag, 8. November 2004

Kultur / Bildung

Kulturpolitik
Im kulturellen Bereich ist Zimbabwe noch immer stark von der früheren Kolonialmacht Großbritannien (Sprache, Schulwesen, Traditionen) geprägt. Ein Erbe, das die Regierung einerseits bewusst an- und übernommen hatte (auch um jungen Zimbabwern den Weg an westliche, vor allem britische Universitäten zu ebnen), das sie andererseits aber als „kolonialistisches" Relikt abzulehnen begann und mittlerweile sogar bekämpft. An seine Stelle soll in bewusster Abkehr vom Westen eine aus lokalen Traditionen und panafrikanischen Vorstellungen gespeiste zimbabwische kulturelle Identität treten. Einen wichtigen Einschnitt bedeutet insofern die Abschaffung der in Großbritannien und international anerkannten Schulabschlüsse im Schuljahr 2003. Der zunehmend kleine Rest (geschätzt noch ca. 30.000) der weißen Bevölkerung orientiert sich dennoch weiterhin an westlicher, vor allem angelsächsischer Kultur, während die schwarze Bevölkerungsmehrheit außerhalb der großen Städte stark in ihren lokalen Traditionen verwurzelt bleibt. Auch aus diesen Gründen gelang es bisher nicht, eine eigene gemeinsame kulturelle Identität zwischen schwarzem und weißem Bevölkerungsteil zu bilden. Daraus ergeben sich Anknüpfungspunkte für die von der Regierung aus machtpolitischem Kalkül betriebene Ausgrenzung des weißen Bevölkerungsteils als "europäisch" oder "britisch".

Die Bildhauerkunst (Shona-Skulpturen) ist zum Symbol für Kunst aus Zimbabwe geworden. Private Publikationen beleben den Buch- und Medienmarkt, wie besonders auf der jährlichen internationalen Buchmesse in Harare beobachtet werden kann.
shona skulptur
Das Interesse an ausländischer, darunter deutscher Kultur ist in Zimbabwe sehr groß. Veranstaltungen finden immer ein interessiertes Publikum, insbesondere in der gut ausgebildeten schwarzen Mittelschicht

Bildungssystem
Das Bildungssystem wurde von der Regierung seit der Unabhängigkeit weit ausgebaut, leidet jedoch an starker Unterfinanzierung aufgrund der wirtschaftlichen Krise. Die Analphabetenquote beträgt ca. 25 %. Die Hungersnot führt in ländlichen Gebieten gegenwärtig zu einem deutlichen Rückgang des Schulbesuchs, da Kinder zum Nahrungsmittelerwerb beitragen müssen. Die schwere wirtschaftliche Krise hat allgemein einen Anstieg der Kinderarbeit zu Lasten des Schulbesuchs zur Folge.
Die Universität Harare mit ca. 10.000 Studenten ist chronisch überlastet; weitere (Fach)Hochschulen befinden sich in Mutare und Bulawayo. Die Hochschulen gelten als Hochburgen des gesellschaftlichen und politischen Widerstands. Die Lehrtätigkeit wurde durch ständig wiederkehrende Streiks von Professoren und Dozenten für höhere Löhne erheblich in Mitleidenschaft gezogen.
Die Medienlandschaft ist politisch stark polarisiert.

Bei den elektronischen Medien (Radio, Fernsehen) verfügt die Regierung weiterhin über ein Monopol. Die von der Regierung kontrollierten Tageszeitungen "The Herald" (Harare) und "The Chronicle" (Bulawayo) sowie die regierungsnahe „Daily Mirror" beherrschen seit September 2003 den Markt. Das bist dato auflagenstärkste Blatt, die "unabhängige", regierungskritische Tageszeitung "The Daily News" wurde von der Regierung mit pseudolegalen Mitteln vom Markt genommen. Als regierungskritische Publikationen verbleiben nunmehr allein mehrere in der städtischen Bevölkerung unterschiedlich weit verbreitete Wochenzeitungen (Independent, Financial Gazette, Standard). Der unter dem Druck der Regierung stehenden unabhängigen Presse ist es bisher gelungen, ihre vor allem urbane Leserschaft zu halten. Sie konnte diese sogar ausbauen. Auf dem Lande verfügen die regierungseigenen Medien hingegen de facto über ein Informationsmonopol, das die Regierung zur Verbreitung ihrer Propaganda nutzt.

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Zuletzt aktualisiert: 15. Dez, 18:41

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